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24
Jun
2006

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Religion und Menschenrechte

Vom 17. - 20. Mai 2006 veranstaltete die Humboldt Universität, das WZB und die Irmgard Coninx Stiftung in Berlin einen Workshop zum Thema
"Reframing Human Rights III - Secular and Religious Sources of Human Rights."
die in diesem Zusammenhang entstandenen Artikel sind hier zu finden.

28
Feb
2006

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Teil 1 TV Tip für FreundInnen mit Tagesfreizeit bzw Videorecorder

Die sehenswerte Dokumentation "Der Preis des Krieges"
der österreichischen Dokumentaristin Karin Bock

wird am donnerstag 2. März 2006 um 12:10 Uhr in 3Sat wiederholt
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"Der Preis des Krieges" - 3sat-Doku über die Rüstungsindustrie
In ihrem Dokumentarfilm "Der Preis des Krieges" geht die österreichische Filmemacherin Karin Bock zum einen der Frage nach, woher die Milliarden stammen, die in die Waffenproduktion fließen, und zum anderen, wer von ihnen profitiert.
Die Autorin greift auf ein Zitat des römischen Staatsmannes und Schriftstellers Cicero zurück: "Der Krieg bezieht seine Kraft aus unerschöpflichen Geldquellen". Die Rüstungsausgaben stiegen 2003 weitweit um elf Prozent und erreichten 2004 nach Berechnungen des Friedensforschungsinstituts Sipri mehr als eine Billion Dollar, fast so viel wie auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Laut Sipri sind die Umsätze der 100 führenden Waffenfirmen größer als das zusammen gerechnete Bruttosozialprodukt der 61 ärmsten Länder der Welt.

Die reichen Industrienationen geben etwa zehn Mal so viel für Rüstung wie für Entwicklungshilfe aus. Mit dem Geld für 10 000 Streubomben im Golfkrieg hätte man zehn Millionen Kinder gegen Polio, Masern und Tetanus impfen können. Im Jahr 2003 starben 625 Menschen bei Terroranschlägen und elf Millionen an Infektionskrankheiten. Karin Bock beleuchtet Forschung und Entwicklung der Rüstungsindustrie sowie deren Gewinne, die Kosten des Wiederaufbaus und den Einfluss auf die Weltmärkte. Außerdem zeigt sie die Vision einer Welt, in der statt in die Rüstung in zivile Projekte investiert werden könnte.

Für ihre Dokumentation hat die Autorin namhafte Gesprächspartner vor die Kamera geholt, darunter Jakob von Uexküll, den Stifter des alternativen Nobelpreises, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler sowie Friedensforscher. Der Hamburger Sozialwissenschaftler Peter Lock bilanziert: "Der Preis des Krieges, den heute eine imperiale Macht zu zahlen hat, ist der, dass sie es nur um den Preis tun kann, sich selbst in eine faschistische Gesellschaft umzugestalten." Uexküll schlägt als Ausweg einen Weltzukunftsrat vor, der kreative, an den Interessen der Menschen orientierte Ideen umsetzt. Da Krieg nur über die Politik möglich sei, dürfe diese nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden.
(Quelle web.de)
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Diese Sendung wurde in Teilen auf der 22. Internationalen Sommerakademie 2005 im "Friedenszentrum in Burg-Schlaining" aufgezeichnet. Sie zeigt Interviews mit zahlreichen ReferentInnen. Gestalterin der Sendung ist Magistra Karin Bock.

Interviewpartner sind
Jakob von Uexkül",
(Right Livelihood Award, Stifter des Alternativen Nobelpreises, London),
Dr. "Peter Lock"
(European Association for Research on Transformation,
Sozialwissenschafter, Hamburg)
Prof. Dr. "Elmar Altvater" (Politikwissenschafter, Freie Universität Berlin)
Prof. Dr. Birgit Mahnkopf (Fachhochschule für Wirtschaft Berlin)
Prof. Dr. "Jörg Huffschmid" (Wirtschaftswissenschafter, Universität Bremen)
Prof. Dr. "Werner Ruf" (Politikwissenschafter, Universität Kassel)
Dr. Jörg Becker (Politikwissenschafter, Kommunikationsforscher, Solingen) Andreas Zumach (UNO-Korrespondent, taz, Genf)
Mag. Friedrich Korkisch (Institut für Außen- und Sicherheitspolitik, Wien)
Gerald Mader (Präsident Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, Burg Schlaining)
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Teil 2 - Fakten

"Fakten
[zitiert aus der Site von Maga. Karin Bock
http://www.frameworx.at/fakten.html ]

Beim Recherchieren findet man immer weit mehr heraus, als man tatsächlich in seiner Arbeit verwenden kann. Anbei ein paar Fakten, die mir besonders aufgefallen sind. Die Rangfolge entspricht keiner Wertigkeit.

Um sich in die Richtung weiter zu erkundigen ist als herausragendes Zentrum in Österreich ist sicher das ÖSFK in Burg Schlaining zu nennen. www.aspr.ac.at

An Fachliteratur sind drei Werke besonders interessant:
~ Jean Zieglers -Das Imperium der Schande
~ Noam Chomsky - Power And Terror - US-Waffen, Menschenrechte und
internationaler Terrorismus
~ Andreas Zumach - Die kommenden Kriege<

Das Verteidigungsbudget der USA ist so hoch wie das der nächstgrößten 25 Budgets zusammen (darunter Staaten wie Deutschland, Russland, Indien, China,...). (Siehe auch Le Monde Diplomatique, Atlas der Globalisierung)

Seit 1945 starben in Konflikten weltweit über 45 Millionen Menschen.

Für 10.000 im Golfkrieg eingesetzter Streubomben könnte man über 10 Millionen Kinder gegen Polio, Masern und Tetanus impfen.

Für die Kosten des Golfkrieges hätte man das Trinkwasserproblem der Welt lösen können.

Die Kosten eines Krieges lassen sich nur schwer beziffern. Selbst seriöse Schätzungen schwanken zwischen Summen von 25 Milliarden bis 1,5 Billionen Euro, je nachdem ob nur die reinen Militärausgaben gerechnet werden oder mehr.

Derzeit gibt es ungefähr 35 Kriege und größere Konfliktherde auf der Welt, 90 Prozent davon in Staaten der 3. Welt. Denn arme Länder sind profitable Exerzierplätze für Waffensysteme.

Bei jedem Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Kriegsführende Regierungen treiben ein falsches Spiel mit der Öffentlichkeit und die Medien lassen sich oft vor den Karren der Manipulanten spannen und verdienen an den Einschaltquoten. Noch in den 80er Jahren lagen gewaltbezogende Nachrichten bei 15 Prozent pro Abend mittlerweile liegt der Schnitt bei 35 Prozent - die Leiche im Krimi nicht mitgezählt. (Eine entsprechende Studie wurde von Prof. Dr. Jörg Becker (siehe Interview) durchgeführt.)

Für ärmere Länder ist die Steigerung des Ölpreises ein Teufelskreis. Wenn sie, wie Pakistan, über 35% ihrer Exporteinnahmen für den Kauf des Öls ausgeben müssen, dann bleibt natürlich für andere notwendige Importe wenig übrig, zum Teil geht sogar Entwicklungshilfe drauf und ein Neuverschulden ist notwendig. Im Jahr 2004 starb wegen der Verschuldung alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren. (Siehe auch Jean Ziegler - Das Imperium der Schande)

Den bittersten Beigeschmack hat das Kapitel Wiederaufbau und Hilfsorganisationen als Gewinner bei Konflikten. Wiederaufbau ist eine klassische Domäne von NGOs und privaten Firmen, das Militär ist selten interessiert daran. Beim Konflikt in Ruanda Mitte der 90er Jahre gab es angeblich an die 100 Hilfsorganisationen vor Ort. Keiner konnte dort mehr erkennen, wer Soldat war und wer Opfer. So rückt in zahlreichen Krisenherden ein immer größer werdendes Heer an seriösen und lediglich vermeintlichen Hilfsorganisationen an. (http://www.lettre.de/aktuell/69_Polman.html)

Mehr Frieden wird jedenfalls nicht ohne die Einbindung der Wirtschaft erreichbar sein. Sie stellen eine Riesenmacht - im Jahr 2004 kontrollierten beispielsweise die 500 größten transkontinentalen Konzerne über 52 Prozent aller auf der Welt produzierten Güter. (Siehe auch Jean Ziegler - Das Imperium der Schande)

Visionen über eine mögliche Zukunft gibt es verschiedenste. Einen Organisationen übergreifenden Weg schägt Jakob von Uexküll vor, der Stifter des Alternativen Nobelpreises. Sein Ansatz: ein Weltzukunftsrat, eine Institution, die kreative, an den Interessen der Menschen orientierte Ideen umsetzt. (http://www.worldfuturecouncil.org)

1 Bunkerbrecher-Bombe reicht für die Heilung von 2.000 Tuberkulosekranken in Indien, 1 Tomahawk für 650 Brunnen in afrikanischen Dürrezonen.

Weltweit besitzen oder entwickeln 13 Staaten atomare, biologische oder chemische Waffen. Rund 95 Prozent des globalen Arsenals befinden sich in den Händen der USA und Russlands. Obwohl Massenvernichtungswaffen auf verschiedenen Trägern eingesetzt werden können, gilt ihre Verbindung mit ballistischen Raketen als größte Bedrohung.

Im jüngsten Irakkrieg: Preis pro Cruise Missile: 1,3 Millionen Dollar. Die ferngesteuerten Marschflugkörper wie die "Tomahawk" werden von Zerstörern, U-Booten und B-52-Bombern aus gestartet und verfehlen ihr Ziel selten um mehr als 30 Meter. Im Golfkrieg wurden 332 eingesetzt, als sie noch eine Million Dollar pro Stück kosteten. Heute stehen den USA über 5000 Marschflugkörper zur Verfügung. Für ihre Beschaffung haben sie bisher insgesamt fast 14 Milliarden Dollar aufgewandt.

Irak 2: Das grösste Arsenal aller Zeiten steht den US-Streitkräften zur Verfügung. Sie können, wie einst General Colin Powell forderte, "alle Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten" einsetzen. Angefangen vom Stealth-Bomber B-2, dem teuersten Flugzeug aller Zeiten, Stückpreis: 2,1 Milliarden Dollar. Derzeit verfügen die USA über 21 Maschinen dieses Typs. Daneben wirkt die ebenfalls radarunauffällige F-117 wie ein Schnäppchen. Die 59 Maschinen kosten je 43 Millionen Dollar. Hinzu kommen die immer noch schlagkräftigen strategischen Uralt-Bomber B-52 (je 74 Millionen Dollar) und Tausende Kampfflugzeuge von Air Force und Navy wie die F-16 "Falcon" (19 Millionen), F-14 "Tomcat" (131 Millionen), F/A-18 "Super Hornet" (89 Millionen Dollar). Der neueste Kampfjet F-22 "Raptor" kostet pro Stück 205 Millionen Dollar und soll Zug um Zug die sechsmal preiswertere F-15 ersetzen.

Das mobile Abwehr-Raketensystem "Patriot" (Stückpreis 217 Millionen), Kampfhubschrauber Typ AH-64D "Apache" (17 Millionen), den tief fliegenden Panzerjäger A-10 "Warthog" (11,8 Millionen) sowie die bewährten Panzer M-1 "Abrams" (3,1 Millionen Dollar). Die Marineinfanterie will ihren unfallträchtigen neuen Senkrechtstarter V-22 "Osprey" (101 Millionen Dollar) seiner Feuertaufe aussetzen.

Der Betrieb eines US-Flugzeugträgers der "Nimitz"-Klasse verschlingt im Monat 13 Millionen Dollar. Die USA lassen gegen den Irak fünf der gigantischen Kampfplattformen anrücken. Macht zusammen 65 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die Arbeit der UN-Waffeninspektoren im Irak von 1991 bis 1998 (UNSCOM) kostete pro Jahr nur halb so viel. In Summe gilt: Um 10% mehr Leistung zu haben, 200 mal mehr investieren.

Terrorabwehr ließ 2003 die Rüstungsausgaben weltweit um 11 % auf 956 Mrd $ steigen (davon die Hälfte USA). Reiche Industrienationen gaben 10mal soviel für Rüstungen aus wie für Entwicklungshilfe. 2003 fielen insgesamt 625 Menschen Terrorattacken zum Opfer, 11 Millionen starben an Infektionskrankheiten.
90 Prozent der Konflikte werden in Dritte Welt Länder ausgetragen.

Als die wahren Massenvernichtungswaffen haben sich die leichten konventionellen Waffen erwiesen, von denen weltweit über 600 Millionen im Umlauf sind. Durch sie stirbt jede Minute ein Mensch.

"Früher ging es bei einer Entscheidung über Krieg immer um den Blutzoll und die finanziellen Einbußen", erklärt der Chef des Washingtoner Militärforschungsinstituts globalsecurity.com, John Pike. "Heute geht es im Wesentlichen um Geld. Darum ist es für Amerika viel leichter geworden, in den Krieg zu ziehen - was vielleicht erklärt, warum wir uns seit zwölf Jahren fast permanent im Kriegszustand befinden."

Über die Kosten des Irakkrieges sagt William D. Nordhaus, Ökonomieprofessor an der renommierten Yale-Universität, in seiner Ende Oktober 04 veröffentlichten Studie: Im schlimmsten Fall und auf zehn Jahre gesehen addieren sich die weltweiten Kosten laut Nordhaus auf gigantische 1,5 Billionen Euro, im günstigsten Fall auf "nur" gut 120 Milliarden. Denn im Gegensatz zu den offiziellen Schätzungen berücksichtigt der US-Wissenschaftler auch ungünstige Szenarien, wie einen möglicherweise langwierigen Krieg samt Häuserkampf in Bagdad und Unruhen im Kurdengebiet. Hinzu rechnet Nordhaus die beträchtlichen Folgekosten für die Friedenssicherung und Besatzung mit mehreren zehntausend Soldaten - Summen von wahrscheinlich 15 Milliarden Euro jährlich, die in den amtlichen Papieren außen vor bleiben.

Die USA planen zum Beispiel ein mehrschichtiges see-, land- und luftgestütztes Abwehrsystem. Bis 2009 kostet alleine die Entwicklung 53 Milliarden Dollar - die exakt gleiche Summe wurde von 1996 bis Mitte 2004 von der Weltbank den 27 ärmsten Länder der Welt an Schulden für die nächsten 20 Jahre erlassen. Und das, obwohl die Leistungsfähigkeit eines solchen Abwehrschildes noch nicht abzuschätzen ist.

Der Bau der Waffen ist vor allem für die Rüstungsindustrie ein Traum - nämlich der von hohen Gewinnen. Denn alles, was verballert oder abgenutzt wird, muss ersetzt werden. Vor einigen Jahren stand zum Beispiel die Firma Raytheon kurz vor dem Bankrott. Dann brachten Kosovo und Afghanistan neue Aufträge für Cruise Missiles und andere Raketen. Heute liegt Raytheon auf Rang drei unter den Waffenfirmen der USA. Die anderen großen Nutznießer: Lockheed Martin (baut F-16, "Apache" und "Hellfire"), Boeing (F-18, C-17-Transporter), General Dynamics (U-Boote, Zerstörer) sowie Northrop Grumman (F/A-18, B-2).

Dazu kommt eine neue, bittere Schiene: Weltweit operieren derzeit über 90 private Militärfirmen in 110 Ländern. Immer öfter sind sie in Krisengebieten aktiv, vereinzelt an vorderster Front. Der klassische Söldner wurde von diesen Firmen verdrängt. Experten schätzen den Umsatz auf 100 Milliarden Dollar jährlich und prognostizieren seine Verdoppelung bis 2010. Den Markt dominieren US-Firmen, aber auch Briten, Südafrikaner und Israelis. Dabei gibt es Verbindungen der unsaubersten Art: KBR, eine Tochter des Halliburton Konzerns wurde von US-Vizepräsident Cheney geleitet. Er bezieht noch als Vize-Präsident 150.000 Dollar jährlich zur Altersicherung. Im März 2003 erhielt die Firma ohne Ausschreibung einen bis zu 7 Milliarden Dollar schweren Pentagon-Auftrag für den Irak. In der vergangenen Dekade vergab das Pentagon mehr als 3000 Aufträge im Wert von über 300 Milliarden Dollar an private Militärfirmen. Im Irak erledigen mittlerweile 20 000 private Mitarbeiter fast 30 Prozent aller militärischen Unterstützungsaufgaben und kassierten 2003 ein Drittel der US-Ausgaben für den Irak-Krieg. Mit zunehmender Frontnähe wird die Frage nach dem völkerrechtlichen Status der Firmen und ihrer Mitarbeiter dringlicher. Ungeklärt ist, wie Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht durch entsprechende Firmen zu ahnden sind. Unentbehrliche Hilfe bei ihrem weltweiten Engagement erhält die US-Armee von Kellogg Brown & Root (KBR), einer Tochter des Halliburton-Konzerns. Rund um den Globus errichtete die Firma, die mit 20000 Mitarbeitern 6 Milliarden Dollar jährlich umsetzt, eine Kette von USStützpunkten und sorgt für deren Betrieb. Garantiert sind oft die Erstattung aller Kosten und ein Zuschlag von bis zu 9 Prozent der Ausgaben als Gewinn. KBR zeigt exemplarisch die branchentypische Verflechtung mit der Politik. Dick Cheney leitete 1992 als US-Verteidigungsminister die Privatisierungswelle mit einem Auftrag für Halliburton ein, führte das Unternehmen von 1995 bis 2000 und bezieht noch als US-Vizepräsident vom Konzern über 150000 Dollar jährlich zur Alterssicherung. Im März 2003 erhielt die Firma ohne Ausschreibung einen bis zu 7 Milliarden Dollar schweren Pentagon-Auftrag für den Irak.

Besonders grausam ist das Kapitel: Kindersoldaten: Weltweit werden 300.000 unter 18jährige als Soldaten eingesetzt. 1986 bis 1997 sind 2 Millionen Kinder in Kampfhandlungen gestorben, 6 Millionen verletzt worden und 22 Millionen Kinder auf der Flucht.

Globale Ziele bis 2015: UNO Millennium Deveploment Goals:
Verringerung extremer Armut,
Vollständige Grundausbilung aller Kinder,
Förderung der Geschlechtergleichheit,
Senkung der Kindersterblichkeit,
Eindämmung von Aids und Malaria,
Nachhaltiger Umweltschutz und besseres Trinkwasser,
Globale Partner für Entwicklung.

"Für die Hälfte der Weltbevölkerung heißt die brutale Wirklichkeit: als Kuh ginge es dir besser. Die europäische Durchschnittskuh bekommt vom Steuerzahler täglich 2.20 USD an Subventionen und anderen Hilfen. Inzwischen leben 2,8 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern der Welt von weniger als zwei Dollar täglich." "
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Teil 3 - Interview

Interview mit Prof. Dr. Werner Ruf
Professor für Internationale Politik und internationale Beziehungen, Universität Kassel

Was ist für Sie der Preis von Krieg?
Ich denke, der Preis von Krieg sind immer Menschenleben und in der Regel viele Menschenleben, verstümmelte Menschen, zerstörte Lebensgrundlagen und das ist ein Preis, den man noch nie berechnet hat, den man auch nicht berechnen können wird. Ich denke, das ist das, was schon die Inhumanität von Krieg zeigt.

Es gibt immer wieder Vergleiche, die herangezogen werden, um die Tragik von Krieg zu zeigen. Welche kennen Sie?
Das sind Vergleiche, die gibt in allen möglichen Arten, aber ich denke, das lenkt ein Stück weit vom Problem ab. Es ist nicht so in unserer Welt, das man sagt, wir rüsten ab und dafür tun wir mit so viel Geld so viel Gutes. Sondern es ist denke ich, eine Tradition im Denken, in einem alten Denken, das Krieg immer noch Instrument und Mittel der Politik ist. Das mag vielleicht einmal gestimmt haben, in Zeiten, wo die Kriegführenden ein Stück Territorium erobern wollten, weil es dort Ressourcen gab, weil es dort Arbeitskräfte gab. All das ist heute im Zeitalter der Globalisierung entfallen. Wir brauchen kein Territorium mehr, um es auszubeuten, wir brauchen keine Arbeitskräfte mehr, die wir uns aneignen müssen, sondern wir beschäftigen sie weltweit, wo wir wollen, wie wir wollen, wann wir wollen. Dieser Kriegsgrund ist also obsolet.

Eines Ihrer Spezialgebiete beschäftigt sich mit private militärische Unternehmen? Man soll ja sogar Atomwaffen im Internet bestellen können?
In etwa ja, wenn man das nötige Geld hat. Dies ist in der Tat mit eine der Aspekt von Globalisierung dass das, was früher als die heiligste Kuh des Staates galt, nämlich das Militär, als Symbol des alten staatlichen Monopols, inzwischen privatisiert wird. Diese Privatisierung hat natürlich eine ganze Menge von Nebenaspekten und Folgen. Zum einen ist es in der Tat billiger, für einen bestimmten Auftrag eine Firma zu beauftragen anstatt stehende Heere mit all dem, was sie kosten bereitzuhalten, ohne sie möglicherweise überhaupt einzusetzen. Private militärische Unternehmen haben auch den Vorteil, dass sie eben keine Staaten sind. Sie sind an keine völkerrechtlichen, kriegsvölkerrechtlichen Konventionen gebunden. Sie können nicht für solche Dinge haftbar gemacht werden, d.h. Dinge, die sie begehen, bleiben letztendlich nicht strafbar. Das sind ungeheur flexible Instrumente. Diese Firmen haben keine Ideologien und Programme, sondern einen Job, werden für einen Job angeheuert und machen ihn dann.

Da gibt es auch zweifelhafte Verbindungen bis in die höchste Politik?
Ja, es gibt gerade bei den großen amerikanischen privaten Kriegführungsfirmen direkte Verbindungen zu den höchsten Stellen der Politik. Das hängt auch damit zusammen, dass die Firmen geführt werden von höchstrangigen früheren Generälen. Aber es hängt auch damit zusammen, dass bestimmte Rüstungsfirmen, insbesondere Rüstungsfinanzierungsfirmen unmittelbar mit diesen Firmen zusammenarbeiten. Es gibt da den schönen Spruch, dass das MPRI, das ist eine der führensten Firmen, mehr Generäle pro Quadratmeter besitzt als das Pentagon. Also da sieht man diese Verschiebung schon recht deutlich. Man muss auch wissen, dass die zweitgrößte Armee im Irakkrieg von den militärischen Firmen gestellt wird. Das sind nicht die Briten, sondern davor kommen noch die Privaten.

Wohin werden sich Kriegswaffen und Kriege entwickeln?
Ich denke, das ist sehr wichtige Frage. Krieg hat sich enorm auseinanderentwickelt. Wir Politologen sprechen dann von asymetrischen Konflikten und asymetrischer Kriegführung und in der Tat kann ein nicht hoch industrialisiertes Land keinen Krieg mehr gewinnen. Es gibt Abstandswaffen, es gibt elektronische Waffen, es gibt intelligente Waffen, die den Gegner verteidigungsunfähig machen, bevor man ihn überhaupt erreicht hat oder bevor man ihn zu vernichten sucht. Das ist eben jetzt eine Kriegführung, wo jeder im Vorhinein weiß, wer den Krieg gewinnen wird. Das war beispielsweise im Jugoslawienkrieg so wie es im Irak Krieg jetzt ist. Die Kehrseite der Medaille ist das man - Präsident Bush hat das ja vor anderthalb Jahren schon erklärt, das der Krieg zu Ende sei - dass man einen Krieg zwar militärisch gewinnen kann, damit aber keinen Frieden erreicht.
Diese Art der Kriegführung, die so ungleichgewichtig ist und auf Seiten der anderen Partei ungeheure Opfer fordert, führt dann zwangsläufig in Bürgerkriegssituationen, wie wir sie jetzt in Afghanistan haben, wie wir sie im Irak haben und wie wir sie am Balkan haben würden, wenn die Truppen beispielsweise in Bosnien oder im Kosovo abgezogen würden. Militär ist gar nicht mehr in der Lage, einen dauerhaften Frieden zu stiften, weil durch diese Art der Kriegsführung so viele Verletzungen passieren, so viel Hass erzeugt wird, dass der Konflikt damit nicht zu Ende gehen kann. Das war früher anders, als auf dem Schlachtfeld - übrigens ein wunderschöner Terminus, wenn man ihn sich auf der Zunge zergehen lässt - die Truppen gegenüberstanden und wer gewonnen hatte, hatte gewonnen und wer verloren hatte, hatte verloren. Und man hat irgendwo einen Friedenschluss gemacht. Das wurde noch unter Militär ausgetragen, jetzt sind die Opfer von Kriegen - und das hat auch mit meinem Eingangsstatement zu tun - fast nur noch die Opfer von Zivilisten.

Kriegführen ist extrem teuer, woher bekommt ein Staat das Geld dafür?
Es ist natürlich unglaublich teuer. Daher habe ich etwas gegen den Eingangs angestellten Vergleich, weil er mir zu einfach ist. Diese Art von Rüstungindustrie schafft ja auch Profit. Diese Art von Rüstungsindustrie beschäftigt Menschen und es gibt heute auch nicht mehr die klare Trennung zwischen Rüstungsindustrie und ziviler Industrie. Die ganze Debatte über double use - also die doppelte Verwendung von Waffensystemen - alles hat mit allem zu tun. Wer Panzer produziert, kann auch schwere Baufahrzeuge produzieren. Die alte Geschichte vom Lippenstift, der auch als Patronenhülse dienen könnte. Ähnlich ist das mit der Elektronik: Die heutige Kriegsführung basiert auf Satellitensystemen, die gleichzeitig auch wieder siehe GPRS oder Galileo in die Autos eingebaut werden, damit man keinen Stadtplan mehr lesen muss, sondern das Ziel eingibt und vom Auto sicher dorthin geführt wird. Diese doppelte Verwendung ist überall gegeben, sodass man es nicht so leicht auseinander dividieren kann. Daraus nun die Mär zu machen, dass wir Rüstungsindustrie brauchen, um zivile Abfallprodukte zu erhalten, das ist natürlich Unsinn. Würde dieses Geld sofort in zivile Ziele und Forschungen und Entwicklungen hineingeführt, dann bekämen wir die zivilen Nutzgegenstände wesentlich, wesentlich billiger.

Ruanda, Somalia, da reichen für einen Bürgerkrieg und Völkermord oft einfache Waffen?
Naja ganz einfache Waffen, das wären für mich Pfeil und Bogen, Speer.

Oder zum Beispiel Macheten.
Ja, Macheten, Kalaschnikows, Handgranaten, das sind schon keine so einfachen Waffen mehr. Und mit denen kann ich, wenn ich sie richtig einsetze, tatsächlich bequem Massenmord begehen. Auch das ist ein Riesengeschäft, vor allem mit den sogenannten Kleinwaffen, für die vor allem der Kollege Peter Lock sehr kompetent ist. Damit wird wahnsinnig viel Geld gemacht, weil es sich fast jeder leisten kann und weil man bisher nicht bereit ist, den Ursprungsort der Waffen zu kennzeichnen, so dass es ein gigantisches Geschäft damit weltweit gibt, ohne dass man verfolgen kann, wer letztendlich ursprünglich diese Waffen geliefert hat

Karl Marx stellte die These auf, dass Kapitalismus Krieg braucht. Kann man das so sagen?
Jein. Ich denke, die These ist im Prinzip richtig. Nur hat Krieg noch nie Ressourcen geschaffen, sondern ist benützt worden, um Ressoucenakkumulationen, in dem Sinne, wie ich sie vorher beschrieben habe - Territorien, Menschen, Ressourcen zu beschaffen - dafür hat man Krieg früher eingesetzt. Mittlerweile und das ist meiner Meinung nach das Perverse, wird Krieg zum Selbstzweck. Waffensysteme werden produziert, die Waffensysteme müssen amortisiert werden, man muss die Waffensysteme ja auch testen, ob sie gut sind, und damit braucht man von Zeit zu Zeit einen Krieg. Wenn auch, wie ich meine, die Kriege in Afghanistan und Irak tatsächlich alte klassische Ziele verfolgen. Es geht um die Kontrolle von Ressourcen, nämlich Öl, vom Kaspischen Becken bis in den Vorderen Orient. Wer das Öl kontrolliert, diktiert letztendlich die Fertig-Preise auf dem Weltmarkt.
Hier kommt die große Rivalität zwischen der EU und der USA zum Tragen und ich denke der geplante Pipelinebau vom Kaspischen Becken über Afghanistan in den indischen Ozean verfolgt natürlich auch den Zweck, die letzte große Einkommensquelle Russlands trocken zu legen und damit Russland voll abhängig zu machen. Denn vorläufig wird dieses Öl ja noch über Russland exportiert und Russland verdient daran. Das ist fast die einzige Einkommensquelle des russischen Staates.

Der Öl-Preis ergibt sich vom Aktienmarkt. Angeblich reduziert sich das US-Wirtschaftswachstum wenn der Öl-Preis steigt?
Ja , das ist sicherlich richtig, aber nun ist das mit dem Ölpreis so eine Sache. Der Preis, den wir bezahlen, das ist ja nicht der Preis, zu dem das Öl verkauft wird, sondern das ist der Preis, der sich durch die Spekulationen an der Börse herstellt. Die Börse ist nun mal unglaublich erratisch und die wahnsinnigen Ölpreise, die wir im Augenblick haben, sind in erster Linie Folge der Spekulationen. Was dann natürlich auch die amerikanischen Endverbraucher durchaus trifft und von daher durchaus Wirtschaftswachstum verlangsamen könnte - aber das sind sehr komplexe Geschichten. Was viel entscheidender ist in der Fakturierung des Ölpreises in Dollar, ist die Tatsache, dass die USA damit ihre 850 Milliarden Aussenhandelsdefizit kompensieren können, was nicht ginge, wenn beispielsweise der Ölpreis in Yen oder Euro fakturiert würde. Genau das war einer der Sündenfälle von Saddam Hussein, das er vorgeschlagen hat, man könnte den Ölpreis ja auch in Euro fakturieren.

Gibt es daher auch einen Zusammenhang zwischen Börse und Krieg?
Nur sehr vermittelt. Die Börse ist ein sehr kurzfristiges, kurzlebiges, spekulatives Unterfangen. Ich denke, die Börse als Kriegstreiberin, das ist so ein bißchen ein Fetisch aus der Mottenkiste von vorgestern.

Kostet Frieden auch Geld?
Natürlich, alles kostet Geld, Frieden kostet auch Geld. Die Frage ist, was mehr kostet und damit kommen sie natürlich zu ihrer Eingangsfrage. Ich würde es anders herum formulieren. Es geht nicht immer darum, Frieden als Ersatz von Krieg zu sehen oder Krieg durch Frieden zu ersetzen, sondern es geht darum, und das wissen wir heute, präventiv tätig zu werden. Wenn sie ein Dokument nehmen wie die Europäische Sicherheitsstrategie, das am Ende genauso aussieht, wie die nationale Sicherheitsstrategie der USA, nämlich die Möglichkeit zur präventiven Kriegführung beansprucht, dann haben sie am Eingang - das machen die Militärs immer ganz gut - die Lage.
Und die Lage sagt, die Hälfte der Menschheit verdient weniger als 2 Dollar pro Tag. Millionen Menschen sterben jährlich an Aids, die ökologischen Katastrophen sind vorhersehbar. All das wissen wir und dann komme ich hinterher und sage, ich brauche Militär, um Krisen zu lösen, also werden hier die Folgen dessen, was falsch gemacht wird, erschossen oder will ich den Frieden er-"schiessen". Wenn wir all das wissen, dann könnten wir präventiv tätig werden.
Dann könnten wir versuchen, ganz im Sinne dessen, was von Uexküll heute morgen (Anm.: bei der Sommerakademie auf Burg Schlaining) vorgetragen hat, die ökologische Katarstrophe zu vermeiden, in dem wir eine andere ökologische Politik machen, die soziale Katastrophe, das Elend zu vermeiden, in dem wir eine andere soziale Politik machen. Ein Tröpfchen auf dem riesenheißen Stein war jetzt der letzte G8 Gipfel mit dem Schuldenerlass. Aber es ist wirklich weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein. D.h. wir wissen, wo die Probleme liegen, wir wissen und da hätte Marx Recht, dass diese Probleme Produkt unserer neoliberalen kapitalistischen Produktionsweise sind, das diese Probleme Folgen sind von einer falschen sozialen Politik und würden wir die Probleme dort an den Wurzeln und an die Ursachen gehen, dann bräuchten wir hinterher nicht mit dem Militär Krisenerscheinungen zu bekämpfen.

Warum tun wirs nicht?
Warum tun wirs nicht? Weil - das sagte ich anfangs - auch ein Stück weit mit dem Denken zu tun hat. Man braucht Militär, das Attribut eines jeden souveränen Staates, der sich respektiert. Daran hängt der militärisch-industrielle Komplex mit all den Profitmöglicheiten, die dort mehr gegeben sind als anderswo, weil die militärische Produktion konkurrenzfrei ist. Das ist geheim, ich kann das nicht alles auf dem freien Markt aushandeln, also da werden die kapitalistischen Gesetze ein klein wenig ausgehebelt. Und weil man immer noch meint, man könne die Probleme so lösen und da ist auch meine Kritik an der EU-Politik: Die EU hat als Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl angefangen, sie war im Kern ein Friedensprojekt und auf einmal soll das aufhören und ich denke, dass viele Leute, die das auch wissen, und die am eigenen Leib erleben, wie das so ist, das die europäischen Staaten gegeneinander nicht mehr Krieg führen, dass sie dieses, plötzlich kriegsfähige Europa nicht haben wollen. Also es ist eine Kombination aus altem Denken, aus unmittelbaren Verwertungsinteressen bestimmter Fraktionen des Kapitals und natürlich auch die Sicherung von Pfründen und Wohlstand hier, die wir aber so dauerhaft nicht sichern können.

Ist es die Angst davor, den Lebensstandard der Ärmeren zu heben?

Ich denke, es ist eher die Angst davor, hier den Lebensstandard zu verlieren und dafür sind dann scheinbar alle Mittel recht und dazu auch das untauglichste, der Krieg.

Wieviel Geld geht eigentlich wirklich in den Wiederaufbau?

Das ist natürlich auch eine sehr ambivalente Geschichte. Wenn Sie beispielsweise den Irak anschauen, wo Firmen wie Halliburton und Bectil den Wiederaufbau machen. Das sind gleichzeitig die großen Rüstungsfirmen, das sind die großen Ölfirmen, das sind die Firmen die, die militärischen Unternehmen mehr oder weniger an der kurzen Leine halten, auch da ist das ambivalent. Es wird am sogenannten Wiederaufbau profitiert. Jetzt müssen wir uns natürlich fragen, was ist eigentlich Wiederaufbau, darüber spricht niemand. Da werden Summen zur Verfügung gestellt, da wird etwas damit gemacht. Wenn wir überlegen dass beispielsweise im Irak die Infrastruktur, die Stromversorgung, die Wasserversorgung heute schlechter ist als vor zwei Jahren, nach zehn Jahren des fürchterlichen Embargos, dem durch Krankheiten, Unterernährung, verseuchtes Wasser mehr als eine Million Kinder zum Opfer gefallen sind, dann fragt man sich, was ist Wiederaufbau?
Dort wird gezielt nur das wiederaufgebaut, was unmittelbar für die Besatzung und für die Kriegsführung wichtig ist und für den Ölexport, der nicht funktioniert, weil der Widerstand permant die Ölleitungen doch wieder sprengt. Also Wiederaufbau ist eine sehr, sehr ambivalente Geschichte. Wenn sie an den Wiederaufbau im Nachkriegseuropa denken, dann war damals die amerikanische Philosophie: Wir müssen hier Arbeitsplätze schaffen. Wir müssen die Wirtschaft wieder in Gang setzen, weil bevor die Leute an Hunger sterben, sie vielleicht zu den Kommunisten abwandern. Das war eine andere Konstellation und die hat andere Antworten gefunden - Marshall Plan war eben etwas anderes. Gut, das war kapitalistischer Wiederaufbau, das muss man schon sagen, aber es war ein Wiederaufbau, der an den Bedürfnissen der Menschen orientiert war, also das Wort alleine sagt wenig.

Gibt es auch Hilfsprogramme, die etwas helfen?

Ja natürlich, es gibt eine ganze Menge von Hilfsprogrammen, die sehr viel auch bewirken, vor allem sind das jene Programme, die nicht nur Nahrungsmittel verteilen, sondern die auch zum Wiederaufbau in dem Sinne dienen, das die Bevölkerung beteiligt wird, dass sie selber aktiv wird. Dass sie selber die Mittel mitverwalten kann, wo sie eingesetzt werden. Das ist eigentlich der entscheidende Punkt und auch da muss man sehr kritisch sehen, dass jetzt gerade am Beispiel der europäischen Sicherheitsstrategie gesagt wird, wir machen zivil-militärische Zusammenarbeit.
Die ganzen Hilfsorganisationen, die ernstzunehmen sind, vorweg solche die also nicht unbedingt einen revolutionären Anstrich haben, wie Caritas, sagen, das können wir nicht machen, das wollen wir nicht machen, denn sobald wir uns militärisch einbinden lassen, werden wir von den Militärs funktionalisiert für ihre Zwecke. Und vor allen Dingen erscheinen wir bei der Bevölkerung nicht mehr glaubwürdig und bringen - und das ist ja inzwischen erwiesen - damit unsere eigenen Beschäftigten in Gefahr, weil sie wahrgenommen werden als Teil der Besatzungsmacht. Also diese Unabhängigkeit von Hilfe ist absolut zentral und es ist denke ich kein Zufall, dass man versucht, die Hilfeleistungen von militärischen Zielvorstellungen oder politischen Zielvorstellungen abhängig zu machen.

Es gibt den Stehsatz: Demokratien führen keine Kriege.

Das ist eine sehr umstrittenes Konzept. Es basiert darauf, dass einige Kollegen mal hingegangen sind und zusammengezählt haben und festgestellt haben, in der Tat, Demokratien führen untereinander keine oder kaum Kriege. Ob das jetzt die Staatsform ist, oder ob es nun daran liegt, dass unter diesen Demokratien sprich USA und Westeuropa 80 Prozent des Welthandels abgewickelt wird? Dass es innerhalb dieses Raums eine Kapitalverflechtung gibt, die es nie in dieser Form gegeben hat, das sollte man auch untersuchen, bevor man irgendwelche Kausalschlüsse zieht.
Diese Demokratien verhalten sich ja nach aussen aggressiver denn je, also es kann nicht an der Demokratie liegen, dass sie friedfertig sind. Ich glaube auch nicht, dass man Demokratie mit Militärstiefel exportieren kann. Wie glaubwürdig soll denn das Demokratiekonzept im Irak sein oder in Afghanistan, wenn man überlegt, dass alleine im Irak über 100.000 Zivilisten umgebracht worden sind, in diesem Krieg? Dass man diesen Krieg nur für die schönen braunen Augen der Menschen dort führt, um ihnen Demokratie zu bringen, das ist denen glaubhaft, mit dem was sie real erleben, nicht zu vermitteln, ganz im Gegenteil - das führt zu soviel Hass und Verzweiflung, dass Terroranschläge, sei es London, sei es Madrid oder sonst was, geradezu Anklang finden und unterstützt werden als Element von Rache - von dumpfer, blinder, wütender Rache.

Fördert das also den Terrorismus?
Ich hab das schon auch in einem der Bände der ÖSFK (Anm: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktforschung, Burg Schlaining) geschrieben, dass diese Art der Kriegführung, ein Krieg zur Förderung des Terrorismus ist, wegen der Art der Kriegführung. Dieses führt nicht zu Demokratie, sondern zu Hass und Gewalt.

Es gibt verschiedene Arten der Kostendefinition, ist eine Gesamtkostenermittlung möglich?
Eigentlich nicht, man wird das nie genau ausrechnen können. Es hat da verschiedene Versuche gegeben, auch früher schon, das kommt darauf an, wie sie das rechnen. Klar, sie können das Budget des Verteidigungsministerium nehmen, dann haben sie schon mal ein Pfund, aber sie haben in allen anderen Etats, im Strassenbau, im Schienenbau, im Klimawesen, in der Landwirtschaft (Manöverschäden), bis hin zum Justizministerium (Kosten für Militärrichter) - überall haben sie Militäretats mit drinnen oder Teile des Etats sind für das Militär. Das alleine im Staatshaushalt richtig auseinanderzurechnen, ist fast nicht möglich.

Es gibt offiziell Berechnungen, dass ein Monat Krieg am Golf 33 Mrd. Dollar gekostet hat?
Das kann man rechnen. Da kann man rechnen: die verschossenen Munition, die zum Einsatz gekommenen Flugzeuge, und deren Betriebskosten, usw, usw. Man kann dann noch soweit gehen und rechnen, was die Ausbildung eines durch freundliches oder feindliches Feuer zu Tode gekommenen Soldaten gekostet hat. Das kann man ausrechnen.

Man kann dann wahrscheinlich nicht mehr weiterrechnen, was auf Gegenseite passiert ist?
Das kann man nicht und wenn sie diese Kriege, insbesondere die beiden Irakkriege, der 2. Golfkrieg von 1991 und den jetzigen rechnen - was im Irak an strahlendem Material herumliegt, was an ökologischer Verseuchung verursacht worden ist, was an Zerstörung von Wasseraufbereitungsanlagen, Kläranlagen usw usw da draufgegangen ist. Was in den Museen zerstört worden ist, gestohlen worden ist. Dass die US-Panzer ganz Babylon umgepflügt und plattgemacht haben, die wichtigsten historischen Stätten der Menschheit? All das, wie wollen sie das rechnen, das ist ja nicht mehr herstellbar, für ein und alle mal dahin.

Und die Menschenleben.....
Ja, sie können Menschen natürlich rechnen, mit dem was er gekostet hat. Dann kostet ein armer arbeitsloser, unalphabetisierter Somali natürlich weniger als deutscher Professor - aber ist das die Art und Weise wie man Menschenleben im Wert berechnen kann?

Was wäre Ihre Vision für eine Welt nur mit zivilen Projekten?

Wobei man denke ich, die Nuance machen muss, dass diese zivilen Projekte auch umweltverträglich sein müssten. Noch mehr zivile Flugzeuge, noch mehr zivile Autobahnen, das kann es wohl nicht sein. Sondern es müsste darum gehen, ein radikales Umdenken zu bewirken, in dem nicht mehr der Profit alleine, die einzige Richtschnur für wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Handeln ist, sondern ein Gesamtinteresse der Menschen, das sich eben auch an ökologischen Massstäben messen lassen muss. Noch mehr Ziviles, und die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt usw, usw, das kann es ja wohl nicht sein. Das wäre ein ziviles Wachstum, das als Folge noch viel mehr Kosten verursachen würde.

Haben Sie eine konkrete Vision?
Eine solche Vision wäre durchaus, dass man beispielsweise die in der Rüstung eingesparten Kosten in Umweltschutz und Ökologie steckt. Dass man vor allen Dingen primär von den fossilen Energieträgern herunterkommt, die ja zentrale Ursache für die Klimaveränderung sind. Dass weiß man ja alles und das muss ja auch machbar sein.

Es gibt ja globale Ziele der UNO, wann glauben sie können die real erreicht werden, sind sie umsetzbar?
Natürlich wäre das umsetzbar, es ist die Frage des politischen Willens. Es ist aber auch die Frage der ökonomischen Strukturen und der damit verbunndenen augenblicklichen Profitmöglichkeiten. Und um jetzt mal die Totschlagvokabel zu bemühen - das Kapital denkt nicht langfristig, sondern in kurzfristigen Profitmitnahmen. Es hat damit zu tun, dass wir unsere Wirtschaftsordnung ändern müssten, damit hat es zu tun.

Und in welche Richtung?
In eine Richtung, die stärker an den Interessen der Menschen interessiert ist und zwar an der Menschheit insgesamt, die den Profit als entscheidendes Motiv, wenn nicht abschafft, dann aber wesentlich zurückschraubt und damit das Leben wieder sinnvoller gestaltet. Was kostet es uns denn den Planeten wieder so herzurichten, dass unsere Kinder auf diesem Planeten noch leben können?

Danke für das Gespräch.
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~
(Quelle Maga. Karin Bock http://www.frameworx.at/interview_ruf.html)

25
Jan
2006

Materialien

Neues vom QCEA (Quaker Council for European Affairs)

  • In Deutsch: die Oktober Ausgabe von "Around Europe" pdf
  • EU - Europa aus der Nähe?
    Die nächste QCEA STUDY TOUR findet 22-30 April 2006 statt
    "Check this out for a chance to see Europe up close and personal"
  • Das europäische Friedensverzeichnis (EUROPEAN PEACE DIRECTORY) ist nun im Netz.
    "Find out which organisations are working on peace
    – locally, nationally, and internationally – in Europe.
    Search the directory by country or by topic.
    Add your organisation’s information. We welcome your contribution to building this networking and activism resource!"
  • magst Du die Info's ganz frisch in Deinem eignen E-Briefkasten finden ?
    -> Newsletter v QCEA abonnieren hier

7
Dez
2005

Materialien

Friedenszeugnisse

Wenn wir uns mit solchen beschäftigen wollen, oder anders, wer sich mit solchen beschäftigen will, findet hier ein interessantes Beispiel aus den USA.

Außerdem entdeckte ich noch spannendes Material über Fox in den 50ern.

Und eine Riesensammlung der Bibelstellen, auf die Aussagen der frühen Freunde verweisen.

5
Dez
2005

Materialien

Friedenssteuer - Filmclip-Tip

How would you react if someone came to your door
forcing you to pay for weapons to kill people you'd never met and they did not like?



Eine DVD mit dem sehenswerten 12 minütigen Film "Contempt of Conscience"
der britischen Peace Tax Seven Friedenssteuerinitiative ist bestellt und demnäx in Frankfurt /M - vielleicht auch in Deinem Bezirk?
(Ob DVD oder VHS, kostet ca 10 € £6.50 )

To view a streamed extract from the Contempt of Conscience film click here

Peace-Tax-7
Joe Jenkins has made a 12 minute short [Movie] using some of the material he has gathered and interviews with each of the Peace Tax Seven.

This is an excellent film which sets out concisely the case for conscientious objection to paying war tax.

In May 2005 Contempt of Conscience was awarded Special Prize to Best Documentary Film at the Strasbourg Film Festival. Negotiations are currently in progress with a production company to make a feature length film.

23
Okt
2005

Materialien

Kurzer Bericht von der Herbsttagung des Versöhnungsbundes Rußland heute – Aufbau der Zivilgesellschaft oder auf dem Weg in die Diktatur?

bei der wir als Mitveranstalter auftraten. Schon der Eröffungsvortrag von Juri Dschibladse (Zentrum für Demokratie und Menschrechte, Moskau) über die Gefahren der politischen Entwicklung, die Schwächen, aber auch Stärken und Chancen der Zivilgesellschaft/NGOs zeichnete ein ausgesprochen bedenkliches Bild. Es gibt praktisch keine legale Möglichkeit mehr, auf den Kurs der Regierung einzuwirken. Nach dem „11.September“ ist es dem Putin-Regime auch gelungen, sich international als zuverlässlicher Partner im „war on terrorism“ zu etablieren. Dadurch wird die Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch andere Regierungen und Gremien (Europarat, OSZE..) deutlich leiser. Daneben wurde Russland zum wichtigsten Lieferanten von Erdgas und Erdöl für Europa. Es ist das erklärte Ziel von gazprom zum größten Energiekonzern der Welt zu werden. Den unabhängigen NGOs bleibt als Weg noch der Dialog mit der Gesellschaft, um Abschliessungstendenzen entgegenzuwirken und für Toleranz und Solidarität mit marginalisierten Gruppen (Behinderte, Opfer von Umweltzerstörung...) zu werben. Der Handlungsspielraum ist allerdings nicht groß. Schon beim leisesten Verdacht, eine Gruppe könnte mit dem Thema Menschenrechte zu tun haben, führt dazu, dass sich etwa Unternehmen zurückziehen. Angst scheint das verbreitete Gefühl zu sein, auch bei der Regierung, in der geradezu eine „orangene Paranoia“ herrsche.

Ivan Timofeev von GOLUBKA, einer Organisation, die andere Nichtregierungsorganisationen berät, stellte in seiner Analyse sogar noch einer härtere These auf. In der russischen Gesellschaft fehle es weitgehend an Empathie und Mitgefühl, was wesentliche Voraussetzungen einer funktionierernden Zivilgesellschaft seien. Die Gleichgültigkeit am Schicksal anderer habe auch nicht unbedingt etwas mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu tun.

Die Begegnung mit den teils sehr jungen AktivistInnen aus Russland, der Ukraine und Belorussland war auf der anderen Seite sehr ermutigend und motivierend, hier aufmerksam zu bleiben.

5
Okt
2005

Materialien

Neue Aktion des AFSC

anlässlich des 2000. toten us-amerikanischen Soldaten im Irak:

afsc-campaign
(auf den Banner klicken)

Eingetroffen sind auch die blauen Armbänder "Wage peace", die bei der Jahresversammlung zu bekommen sind.
friedensarmbaender

14
Sep
2005

Materialien

Peace Doves Game

Take on the mission to disarm the world of nuclear weapons!

Friedenstaube

You have eight "Peace Doves" to help you, each able to disarm one of the eight countries possessing nuclear weapons.


Read More: The Development and Proliferation of Nuclear Weapons »


For users: 15 +
Estimated play time: 15 min. +
Plug in requirements: Flash Player 6 »
Download Time: approx. 1 min. on 28.8K modems "

(Quelle: Nobel Prize web site.
Der Tip kam von der britischen Quaker Peace and Social Witness Seite )
logo

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